Wohnen

Hund abgeben oder nicht – keine leichte Entscheidung

Der richtige ZeitpunktWas tun in einer Notfallsituation?Auf dem Bauernhof abgebenAnonym abgeben?Mein Hund ist krank: und jetzt?Empfinden Hund einen Trennungsschmerz?Wenn einem Schuldgefühle plagen

Im Alter kann es schwerer fallen, den geliebten Hund gut zu versorgen. Gründe können fortschreitende körperliche Einschränkungen, ein Unfall oder ein Umzug ins Betreute Wohnen oder ins Pflegeheim sein. So stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, den Hund abzugeben. In einem solchen Fall sind Tierschutzvereine und Tierheime die richtige Anlaufstelle. Hier finden ältere Menschen Beratung und Unterstützung. Wer sich entschlossen hat, den Hund abzugeben, sollte einige rechtliche Aspekte beachten. 

Ein Senior streichelt seinen Hund.
Seinen langjährigen Begleiter von heute auf morgen abzugeben, ist alles andere als leicht. © kali9 / E+

Hund und Herrchen – oder Hund und Frauchen – sie sind oft ein über Jahre eingespieltes Team. Und doch wird es manchmal unumgänglich, darüber nachzudenken, den Hund abzugeben. Das geht leichter, wenn es gelingt, seinen Hund in gute Hände zu vermitteln.

Die Entscheidung, einen geliebten Hund im Alter aus gesundheitlichen Gründen abzugeben, ist oft mit einem schlechten Gewissen und Schuldgefühlen verbunden. Lesen Sie hier, wie Betroffene mit diesen Gefühlen konstruktiv umgehen können, um sowohl für sich selbst als auch für ihren treuen Begleiter das Beste zu erreichen.

Wann ist es notwendig, einen Hund abzugeben?

Ab welchem Punkt ist es sinnvoll, als älterer oder gebrechlicher Mensch seinen Hund abzugeben? Diese Frage stellen sich viele älteren Menschen. «Wichtig ist, dass die Person den Hund zur Not noch aufheben oder sich zum Hund herunterbeugen kann. Ausserdem sollten sie gut auf den Füssen sein», antwortet Piet Umiker, Gründer des Vereins für schutzbedürftige Hunde in Niedergösken im Kanton Solothurn. Das Alter spiele keine Rolle. «Wir selbst haben noch eine ältere Hundedame an eine 78-jährige Frau vermittelt, die noch hervorragend auf den Beinen ist.»

Einen Hund abzugeben, kann notwendig werden durch:

Wohin mit meinem Tier, wenn ich nicht mehr kann?

Wenn der Hund nicht mehr artgerecht versorgt werden kann, sind die Tierheime und Tierschutzvereine die richtigen Anlaufstellen. Dort gibt es Personen, die beraten und weiterhelfen. Piet Umiker: «Zur Not können sich Angehörige auch beim örtlichen Veterinäramt melden. Unser Verein zum Beispiel arbeitet eng mit den Ämtern zusammen.»

Hilfeoptionen, wenn ein älterer Mensch krank ist und das Haustier nicht versorgen kann

Der Schweizer Tierschutz STS wirbt dafür, sich frühzeitig Gedanken zu machen, was aus dem Hund werden soll, falls man sich selbst eines Tages nicht mehr um ihn kümmern können. Er rät, sich bereits in ruhigen Zeiten einen Tiergötti oder eine Tiergotte zu suchen. Wer ist bereit, sich um das Tier zu kümmern, falls es eines Tages übergangsweise oder langfristig abgegeben werden muss? Diese Person hat so die Möglichkeit, schon jetzt eine Beziehung zum Hund aufzubauen. So fällt der Wechsel, der möglicherweise eines Tages eintritt, allen Beteiligten leichter.

Wird eine Pflegestelle allerdings sehr kurzfristig benötigt, hilft in grösseren Schweizer Städten die Tier-Spitex oder Hunde-Spitex weiter. Unter diesen Stichwörtern bieten kleinere Dienstleistungs-Unternehmen und auch gemeinnützige Zusammenschlüsse ihre Hilfe an. Die Dienstleistungen reichen von allgemeiner Betreuung über medizinische Betreuung und Transporte bis hin zu notfallmässigen, kurzfristigen Einsätzen. Die Kosten berechnen sich nach Leistung und Zeitaufwand.

Warum müssen Senior mobil sein für einen Hund? 

Für ältere Personen kann die eingeschränkte Fähigkeit, sich zu bücken, bei der Hundehaltung zu Herausforderungen führen, vor allem, weil die Pflege und Hygiene eines Hundes oft erfordern, sich hinunterzubeugen. Das regelmässige Bürsten, Baden und die Reinigung der Pfoten sind wesentliche Bestandteile der Fürsorge, die ohne diese Beweglichkeit erschwert werden. Darüber hinaus kann das Aufheben von Spielzeug und Kot oder die Entfernung von Hindernissen beim Gassigehen für die Sicherheit des Hundes notwendig sein. Diese Aktivitäten sind für das Wohlbefinden des Tieres unerlässlich, können aber für Besitzer mit eingeschränkter Beweglichkeit zu einer Barriere in der optimalen Tierbetreuung werden.

 

Kann ich meinen Hund im Tierheim abgeben?

Wer den eigenen Hund abgeben muss, kann sich an das örtliche Tierheim wenden. Damit sich das Tierheim auf den neuen Schützling einstellen kann, gilt es, die Anfrage möglichst frühzeitig zu stellen. Möglicherweise müssen vor der Abgabe im Tierheim noch einige Impfungen nachgeholt werden. Zum Übergabetermin Impfpass, Heimtierausweis und Personalausweis mitbringen! 

Im Tierheim muss eine Verzichtserklärung für das Tier unterzeichnet werden. Damit wird die Verantwortung und das Eigentum an das Tierheim übertragen.

sitzende Seniorin wirft einem Hund ein Stoeckchen.
Wer nicht mehr gut auf den Beinen ist, hat vermutlich auch in Zukunft zunehmend Mühe, dem Auslaufbedürfnis und das Pflegebedürfnis eines Hundes gerecht zu werden. © Dusan Stankovic / iStock / Getty Images Plus

Notfall: Wo kann ich meinen Hund kurzfristig abgeben?

Wer den Hund kurzfristig abgeben muss, überlegt sicher, ob sich eine vertrauenswürdige Person aus der Familie oder dem Freundeskreis um den Hund kümmern kann. Führt dieser Weg nicht ans Ziel, kann man sich auch in dieser Situation an das Tierheim wenden.

Hund in Pflegestellen abgeben: Was gibt es für Möglichkeiten? 

Eine Pflegestelle gilt als eine vorübergehende Station zwischen Tierheim und definitivem Zuhause. Ein Hundehalter selbst kann seinen Hund nicht in einer Pflegestelle abgeben. Der Weg führt stattdessen über Tierheime oder Hundeschutzorganisationen, die eigene Pflegestellen oder Kontakte zu Pflegestellen haben. «Der Hund geht dann über in den Besitz des Vereins, da sonst keine Neuplatzierung möglich ist», erklärt Piet Umiker.

Kann ich meinen Hund einem privaten Halter abgeben? 

Wie schön, wenn sich eine Person findet, die dem Hund ein neues liebevolles Zuhause geben will! «Die neue Lebenssituation sollte auf das Tier passen», sagt Piet Umiker. «Übernimmt eine ältere Person den Hund, sollte er eher ein ruhiges Gemüt haben und nicht schwerer als 60 Kilogramm sein.» Ein kleiner Hund passe dagegen weniger zu einem aktiven, jungen Menschen, der gerne joggt. Sehr wichtig sei auch, dass die Person überzeugt sei, den Hund auch bei einer Scheidung alleine halten zu können. «Trennung und Scheidung sind häufige Abgabegründe!»

Kann ich meinen Hund an einem Bauernhof abgeben?

Für die Abgabe eines Hundes an einen Bauernhof gelten dieselben Überlegungen wie an alle anderen privaten Halter. Das Tier sollte hier gut aufgehoben sein und innigen Bezug zu seinen neuen Menschen knüpfen können. 

Worauf muss ich achten, wenn ich meinen Hund an einen privaten Halter abgebe? 

Wenn ein Tier abgegeben wird, ist zu unterscheiden, ob das Eigentum an den neuen Halter übertragen wird oder nicht. «Ist dies der Fall, so gehen alle Rechte und Pflichten am Tier auf den neuen Halter über. Der vorherige Eigentümer hat kein Mitspracherecht mehr in Bezug auf den Umgang und die Haltung des Tieres», erklärt Sibel Konyo, rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin bei Tier im Recht (TIR), die rechtliche Situation. 

«Bleibt das Eigentum jedoch beim ursprünglichen Halter bestehen, sollte vereinbart werden, inwiefern die neue Betreuungsperson selbst Entscheide hinsichtlich des Tieres treffen darf oder nicht», so Sibel Konyo. Um Uneinigkeiten zu vermeiden, sollte ein Vertrag aufgesetzt werden. So könne es aus praktischen Gründen etwa angezeigt sein, im Falle eines medizinischen Notfalls auch der Betreuungsperson eine gewisse Entscheidungsbefugnis zu übertragen, sofern der Eigentümer gerade nicht erreichbar ist. «Weiter sollte die Betreuungsperson aus praktikablen Gründen auch über weniger gewichtige Einzelheiten hinsichtlich der Tierhaltung eigenständig entscheiden dürfen – etwa bei der Auswahl des Futters.»

Ein American Pit Bull blickt treu in die Kamera.
Wenn ein Tier abgegeben wird, ist zu unterscheiden, ob das Eigentum an den neuen Halter übertragen wird oder nicht. © Shelley Kim / Unsplash

Ich möchte meinen Hund im Tierheim anonym abgeben, geht das?

Ein Hund lässt sich nicht anonym beim Tierheim abgeben. «Denn der Hund muss online umgemeldet werden.» Eine stressfreie und angenehme, persönliche Übergabe kommt darüber hinaus dem Hund zugute. Wird das Tierheim gut über das Tier – seine Vorlieben und Abneigungen, Ängste und Freuden – informiert, kann es von Anfang an auf das Tier eingehen und gezielt ein neues Zuhause suchen. Piet Umiker: «Wir versuchen, stets zu helfen, und verurteilen niemanden, solange der Hund korrekt gepflegt wurde und kein Quäl-Fall enstanden ist. Lieber gemeinsam dem Tier helfen, als es leiden zu lassen!»

Kostenüberblick: Was kostet die Abgabe im Tierheim?

Kosten für die Abgabe im Tierheim können regional unterschiedlich ausfallen. Der Zürcher Tierschutz verlangt eine Grundgebühr von 140 Franken, pro fehlender Impfung 80 Franken und für einen ausländischem, nicht in der Schweiz registrierten Chip 40 Franken. Der Verein für schutzbedürftige Hunde hat die Kosten auf 300 Franken pauschal angesetzt. «Dies deckt jedoch knapp die Eintrittskontrolle beim Tierarzt sowie die ganzen Checks und die erste Woche», erklärt Piet Umiker. 

Mein Hund ist krank: Wo kann ich ihn pflegen lassen? 

Nicht alle Menschen, die Hunde halten, sind in der Lage, den Hund zu pflegen, wenn er krank wird. Auch in diesem Notfall helfen Tierschutzvereine und Tierheime weiter. Eine Aufnahme des Hundes wird oft davon abhängig gemacht, ob der Hundehalter oder die Hundehalterin den Aufenthalt in einer Tierpension finanzieren kann. «Ein kranker Hund sollte jedoch möglichst zu Hause in seinem Kreis gepflegt werden», betont Piet Umiker. 

Wie sehr leidet ein Hund bei der Abgabe?

Ein Abschied geht selten ohne Trennungsschmerz vonstatten. Doch ein Abschied ist aber auch immer ein Neuanfang. «Für Hunde, die nicht artgerecht gehalten wurden, kann er eine Erlösung sein – und er kann glücklicher weiterleben. Dies ist auch stets unser Ziel.» Und auch der Hundehalter oder die Hundehalterin kann sich befreit fühlen, wenn die Verantwortung für den Hund nicht mehr auf den Schultern lastet.

Ein Hund blickt freudvoll in die Kamera.
Für Hunde, die nicht artgerecht gehalten werden, kann ein neues Zuhause eine Erlösung sein.  © Ralu Gal / Unsplash

Hund abgeben: Wie geht man mit Schuldgefühlen um? 

Schuldgefühle helfen nicht weiter. Wer seinen Hund abgeben muss, gibt ihm auch die Chance, in einem neuen Heim die Liebe und Geborgenheit zu erfahren, die es verdient. Die Abgabe kann emotional sehr belastend sein und zur Trauer führen. Es ist wichtig zu erkennen, dass Trauer ein normaler und gültiger Prozess ist, wenn man sich von einem Tier verabschiedet. Tipps zur emotionalen Unterstützung für Personen, die sich von ihrem Hund trennen müssen:

  1. Akzeptieren der Trauer: Man sollte erkennen, dass Trauer ein natürlicher Bestandteil des Prozesses ist. Jeder trauert auf seine Weise, und es gibt keinen «richtigen» Weg, um mit dem Verlust umzugehen.
  2. Darüber sprechen: Es kann hilfreich sein, seine Gefühle mit Freunden, Familienmitgliedern oder einer Person, die ähnliches erlebt hat, zu teilen. Manchmal hilft es einfach, jemanden zu haben, der zuhört und versteht.
  3. Professionelle Hilfe: Wenn die Trauer sehr stark ist oder man Schwierigkeiten hat, damit umzugehen, kann es hilfreich sein, einen Therapeuten oder eine Psychologin aufzusuchen, die Erfahrung mit Trauerbegleitung haben.
  4. Erinnerungen bewahren: Einige Menschen finden Trost darin, ein Andenken an ihr Haustier zu bewahren, wie zum Beispiel ein Foto in einem besonderen Rahmen oder ein kleines Ritual zur Erinnerung.
  5. Sich Zeit nehmen: Es ist wichtig, sich selbst Zeit zu geben, um zu trauern. Erwarten Sie nicht, dass Sie sich sofort besser fühlen. Emotionen benötigen Zeit, um zu heilen.
  6. Sich um sich selbst kümmern: Man sollte auf die eigene Gesundheit und sein Wohlbefinden achten. Dabei sollte man regelmässig essen, schlafen und sich körperlich zu betätigen. Selbstfürsorge ist in Zeiten der Trauer besonders wichtig.
  7. Neue Routinen finden: Nach der Abgabe eines Hundes kann eine Leere entstehen, besonders wenn das Tier ein zentraler Teil seines Tagesablaufs war. Am besten versucht man, neue Routinen zu entwickeln, die einem Struktur geben und die Zeit füllen.
  8. Sich erlauben, wieder glücklich zu sein: Manche Menschen fühlen sich schuldig, wenn sie nach der Trauer wieder Glück empfinden. Es ist wichtig zu erkennen, dass sein Hund wollte, dass man glücklich ist, und es ist in Ordnung, wieder Freude im Leben zu finden.
  9. Zukünftige Haustierentscheidungen: Man sollte sich Zeit geben, bevor man über die Anschaffung eines neuen Haustiers nachdenkt. Wenn man bereit ist, sollte man sorgfältig darüber nachdenken, was für einem richtig ist.

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